Samstag, 12. April 2014

Vorlage Preiskalkulation und unser Konsum

Auf Ansalia und Stoffn laufen Diskussionen über die Preisgestaltung von handgemachten Artikeln. Dabei ist mir aufgefallen, das sehr viele sich über die genauen Aufwände und Kosten bei der Herstellung eines Produktes nicht im Klaren sind.


 
Bevor ich mein persönliches Rechenbeispiel anhand dieses Weekenders erläutere, ein Wort zu allen die das Kreativ sein als Hobby betreiben:
Denkt beim Lesen dieses Posts nicht dass die Angaben für Euch nicht gelten, gerade weil es "nur" Hobby ist. Überlegt Euch, was ihr bei denjenigen anrichtet, die vom Kreativ sein Leben. Dinge unter Wert zu verkaufen bedeutet für die Selbständigen einen noch viel grösseren Preiskampf als sowieso schon ist. Hobbybetreiber können also Gewerbetreibenden schaden, wenn auch unbewusst.
Aber wann ist ein Artikel unter Wert verkauft? Wann ist der Preis ein Wucherpreis?

Nun also zu meinem Kalkulationsbeispiel:

Produktbeschrieb:
Der Weekender "Seatime" ist quasi eine Reisetasche, die genügend Platz hat um darin alles zu verstauen was man für ein Wochenende benötigt. Die Masse der Tasche sind
55cm x 40cm x 11cm. Sie hat vier Aussentaschen und sechs Innentaschen zusätzlich zum grossen Innenfach.
Der Aussenstoff wurde auf ein Segeltuchstoff aufgenäht, um eine gute Festigkeit zu erhalten. Der Boden wurde mit einem zusätzlichen, schabrackenverstärkten Innenteil versehen. Aussen ist der Boden aus einem wasserabweisenden Stoff genäht, um vor Schmutz zu schützen.

 
Wenn ich den Preis für ein Teil kalkulieren muss, dann gehe ich folgendermassen vor:
Als erste sehe ich auf die Uhr und notiere mir die Zeit. Dann beginne ich mit dem Zuschnitt des Teiles und notiere vorzu die verwendeten Materialien mit benötigter Menge und dem Preis. Hier sieht das so aus:
 
0.8m Baumwollfischgrat "Maritim" à 15.05  = 12.04
0.8m Segeltuch zur Verstärkung à 5.10  =  4.08
0.5m wasserabweisend Dunkelblau à 3.50  = 1.75
0.8m Futter ecru à 3.-  =  2.40
2.5m Gurtband à 3.-  = 7.50
Rissverschluss à 9.-  = 9.-
Nähfaden  = 3.50
Total  =  40.27
 
Vergesst den Nähfaden nicht! Auch den müsst ihr kaufen und somit ins Teil einrechnen!
 
Dann wird die Tasche genäht und mit der Beendigung der letzten Handgriffe wird wieder auf die Uhr geschaut und die Zeit wiederum notiert.
Nun geht es darum, die Arbeitszeit zu kalkulieren. Dazu müsst ihr Euch zuerst einen Stundenlohn festsetzen. Darin müssen nicht nur der eigene Lohn, sondern alle anderen Ausgaben mit eingerechnet werden.
 
Ich zahle mir monatlich immer dasselbe Gehalt auf ein separates Konto. Dieses Gehalt ist wiederum so gross, das davon alle privaten Ausgaben wie Miete, Strom, Krankenkasse, Lebensmittel etc. bezahlt werden können.
Zusätzlich zu diesem Gehalt müsst ihr einberechnen:
 
Lokal- oder Ateliermiete
Sozialabgaben wie AHV, FAK, BVG
Krankentaggeldversicherung
obligatorische Unfallversicherung
obligatorische Betriebsversicherung
Steuern
Ferienanteil 8.33%
Strom / Billag
 
Je nach dem wieviel ihr aus der obigen Liste zu zahlen habt (vielleicht arbeitet ihr in den privaten Räumen, da fällt schon mal ein ganz hübscher Batzen weg) und wie hoch die jeweiligen Beträge sind, erhält ihr einen Stundenlohn, der je nach Kanton und je nach Abgabenhöhe zwischen Fr. 35.- bis Fr. 70.- , evtl. sogar noch höher liegen dürfte.
 
Wir haben für das Produkt also nun die Materialkosten und die Arbeitszeit. Dies ist natürlich wiederum davon abhängig, wie flink man ist. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob der Weekender nun in drei oder sechs Stunden genäht wird!
 
Bei mir wäre der Preis für den Weekender nun Fr. 224.30.
(Was denkt ihr beim Lesen des Preises?)
 
Aber wenn ich ihn nun zu diesem Preis verkaufen könnte, habe ich dann Geld verdient?
Eigentlich schon, aber ganz genau genommen: NEIN!
Mit dem Preis des Weekenders habe ich die Kosten gedeckt, was auf jeden Fall schon viel Wert ist. Die Rechnungen können bezahlt werden. Aber mit diesem Preis bleibt nichts übrig um Rückstellungen zu machen. Die Nähmaschinen müssen gewartet werden (bei mir sind es gesamt 6 Stück), vielleicht muss irgendwann eine neue gekauft werden. Der Laptop will irgendwann nicht mehr, Büromaterial wie Druckpatronen und Papier muss eingekauft werden...die Liste liesse sich endlos fortsetzen. Hinzu kommt, das auch viele Arbeitsschritte gemacht werden müssen, die nicht bezahlt werden. Buchhaltung zum Beispiel, oder der Einkauf der Materialien. Nicht zu vergessen die Verkaufsprovisionen bei Online-Portalen wie Ansalia oder Dawanda!
Aus diesem Grund muss zusätzlich zum kalkulierten Preis eine Marge aufgerechnet werden. Die Höhe ist unterschiedlich. Bei Kleinpreis-Produkten kann man eine höhere Marge aufschlagen als bei hochpreisigen. Hier gilt es, eine gute Mischrechnung zu finden.
 
Denkt auch an das Konsumverhalten der Menschen. Warum sollte jemand bei mir diesen Weekender kaufen, wenn doch dafür drei praktische Rollkoffer zu haben sind? Was hat jemand von einer Reisetasche, die doch nicht genügend Platz bietet um eine Woche zu verreisen?
Ich vertrete ja den Grundsatz (und versuche auch danach zu leben): weniger ist mehr.
Brauche ich 10 weisse Billigshirts in meinem Schrank? Reichen nicht auch drei, dafür teurere die in der Region produziert wurden? Müssen es im Winter Erdbeeren sein? Kann ich mich nicht einfach in der Saison daran erfreuen, kaufe sie dafür aber zum höheren Preis aus der Region?
Ich lasse das mal so stehen, das Thema wäre weitere 27 Posts wert...
 
Ich hoffe, ihr findet meine Angaben informativ und ihr könnt bei nächsten Mal, wenn ihr Preise festsetzen müsst, daran denken.
 
Herzliche Grüsse
Sandra
 

Sonntag, 6. April 2014

Dank Audrey Hepburn...

...tragen wir alle heute Ballerinas.
 
Erfunden wurde der Schuh bereits im 19. Jahrhundert, der Erfolg blieb dem heutigen Klassiker allerdings versagt.
 
Aus Frühstück bei Tiffany

Audrey Hepburn war 176cm gross, eine ziemliche Ausnahme zur damaligen Zeit. Aber sie war nicht nur gross gewachsen, sie lebte mit Schuhgrösse 41 auch auf grossem Fuss.
1954 beauftragte sie deshalb den Designer Salvatore Ferragamo einen Schuh zu kreieren, der sie nicht grösser machte und ihre Füsse zierlich erscheinen lassen sollte.
Der Designer orientierte sich am Schuh der Tänzerinnen und schuf ein Klassiker, der zum Tanzen wie fürs Velofahren bestens geeignet ist.
 
Bildquelle: Textil-Revue
 
Ganz ur-klassisch ist der Ballerina mit den Schleifchen, wie bei diesem Modell von
 
 
Mein Modell mit eingezogenem Gummi entspricht eher dem "Tänzerinnen-Modell", ist aber super bequem!
 

Das Schnittmuster um die Ballerinas selber zu nähen gibt's hier.
 
Herzliche Grüsse
Sandra
 
 

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