Sonntag, 30. September 2012

Schnittmuster abnehmen...Teil 1

...ohne das vorliegende Kleidungsstück zu zerschneiden!

Ich habe vor ein paar Monaten eine Serie gemacht, die die Abnahme eines Schnittmusters beschreibt, wobei das Kleidungsstück zerschnitten wird. Hier kannst Du Teil 1 , Teil 2 und Teil 3 nachlesen.
Nun zeige ich Dir, wie man das Schnittmuster abnehmen kann, ohne das Teil zu zerschneiden. Mein Beispiel: Ein Herrenhemd.
 
Zuerst müssen ein paar Masse genommen werden. Dazu legst Du das Hemd flach auf den Tisch und misst die Oberweite von Seite zu Seite gleich unterhalb des Armlochs (gelbes Massband). Dann misst Du vom Kragenansatz bis zum Saum (rosa Massband). Notiere Dir die Masse.

 
Nun drehst Du das Hemd um und misst am Rücken die Halslochbreite. Dieses Mass ist etwas schwierig zu nehmen, aber je nach Hemdgrösse ist ein Mass zwischen 15cm und 19cm realistisch. Das Mass wieder notieren.
 



Weiter kannst Du nun mit Hilfe eines Lineals und eines Massbandes die Schulterschrägung messen (gelbes Band). Dazu das Lineal am Kragen gerade ausrichten, das rosa Massband exakt von Armlochnaht zu Armlochnaht legen.  Lineal und Massband liegen nun parallel zueinander. Nun mit dem gelben Band das Mass vom Lineal bis zum rosa Band nehmen. Mass notieren.
Messe bei dieser Gelegenheit auch die Schulterlänge vom Kragenansatz bis zum Ärmelansatz.
 



Nun zeichnest Du auf einem grossen Bogen Papier ein Grundraster. Dazu gehst Du folgendermassen vor:
Zeichne zuerst ein Rechteck. Die Höhe ist das Mass, das Du vom Kragenansatz bis zum Saum  (rosa) gemessen hast. Die Breite ist das Mass der Oberweite, das Du von Seite zu Seite (gelb)  gemessen hast. Halbiere das Rechteck in der Breite ("Gelbes" Mass halbieren).
Lege das Raster so vor Dich, dass eine kurze Seite des Rechtecks am oberen Tischrand liegt.
Messe nun die Hälfte des Rückenhalslochmasses auf dieser Strecke von links nach rechts. Messe ebenfalls eine Hälfte des Rückenhalslochmasses von rechts nach links. Das ergibt später das Rücken- und Vorderhalsloch. (Gemessenes Rückanhalsloch = 17cm, dann wird je 8.5cm abgemessen)
Messe nun ab diesen beiden Zeichen das Mass der Schulterbreite ab. Widerum von diesen beiden Zeichen im rechten Winkel nach unten das Mass der Schulterschrägung abmessen.
Verbinde die Punkte wie unten ersichtlich.
 


Messe nun an dem wieder flach vor Dir liegenden Hemd die Armlochtiefe (Gelb). Dazu legst Du das Lineal an den beiden Ärmelansatzpunkten an, das rosa Band dort, wo die Seitennähte beginnen. Messe nun vom Lineal bis zum rosa Band. Mass notieren.
 


Drehe das Hemd wieder um, und messe nun von der Kragenansatznaht bis zur Quernaht, dieses Mass ist die Göllerbreite. Mass notieren.
 


Messe nun die Länge der Quernaht, von Ärmelnaht zu Ärmelnaht. Dies ergibt die Rückenbreite. Mass notieren.
 


Nimm nun wieder das angefangene Schnittmuster vor Dich. Verbinde die Punkte der Schulterschrägung mit einer gestrichelten Linie und messe von dort die Armlochtiefe nach unten.
Zeichne das Rückenhalsloch ein, in dem Du von oben ein Drittel des Masses, das Du nach rechts abgemessen hast, nach unten abmisst. Bogen einzeichnen. Nun von diesem Mass die Göllerbreite nach unten abmessen und im rechten Winkel nach rechts die Hälfte der gemessenen Rückenbreite. (Auf der Zeichnung unten die gestrichelte Linie).
Nun kannst Du das Armloch einzeichnen. Wichtig ist, dass Du das Rückenarmloch über den Punkt der Rückenbreite zeichnest, damit das Mass erhalten bleibt. Das Vorderarmloch etwas mehr ausschweifen.
Nun noch das vordere Halsloch einzeichnen. Dazu das Mass, dass Du nach links gemessen hast, plus zwei Zentimeter nach unten messen. Rundung einzeichnen.

 
 
Das war der erste Teil... Puh...Ziemlich anstrengend so zu erklären, dass man da hoffentlich durchblickt. Bitte, bitte melden wenn irgend etwas zu kompliziert sein sollte!
 
Ganz liebe Grüsse
Sandra


Freitag, 21. September 2012

Rationelles Granny-Häkeln und Bloggertreffen

 
Morgen ist es bereits eine Woche her, seit dem Bloggertreffen in St. Gallen, an das ich mit viel Freude zurückdenke. Es war eine bunte, sehr kurzweilige Zusammenkunft! Man hätte denken können, dass wir uns alle bereits länger kennen. Es wurde geschnattert, erzählt und gelacht. Es hat einfach auf Anhieb gepasst! An alle nochmals danke für die tollen Stunden!
Yvonne von Happy-Sonne brachte allen eine liebevolle, kleine Deko mit, die sich bei mir wunderbar im Stilleben auf dem Wohnzimmertisch eingepasst hat und sich dort sauwohl fühlt!
 
 
 
Alex von Gwundergarten hat allen eine handgesiedete Seife mitgebracht. Ich habe sie in unser Badezimmer gelegt und wenn ich jetzt da reingehe werde ich immer in angenehmster Weise an das Bloggertreffen erinnert, durch den Duft, den die Seife verströmt. Vielen Dank liebe Alex!
 
 
 
Dann war ich in letzter Zeit wieder etwas mit Feierabend-Häkelei beschäftigt. Ich habe mich den allseits beliebten und darum auch bestens bekannten Grannys gewidmet. Nur habe ich erst beim Lesen anderer Blogs gemerkt, das meine Vorgehensweise beim Granny-Häkeln sich wohl von den anderen unterscheidet. Weil ich das zu spät bemerkt habe, habe ich während dem Häkeln keine Fotos gemacht.
 


Aber: Während andere immer ein Granny nach dem anderen häkeln, habe ich zuerst festgelegt, wie viele Grannys ich haben muss. So habe ich dann 32 grüne Mittelteile gehäkelt und anschliessend den Anfangsfaden vernäht. Dann habe ich 32 Mal die gelbe Runde, gehäkelt, wobei ich den grünen Faden mit eingehäkelt habe und somit nur ein gelber vernähen musste. Weiter gings mit blau, 32 Mal, und wiederum wurde der gelbe Faden eingehäkelt und ein blauer musste vernäht werden. Als letztes habe ich die weisse Runde 32 Mal hinter mich gebracht, wobei ich natürlich den blauen Faden wieder eingehäkelt habe und somit am Schluss nur noch zwei weisse zu vernähen hatte.
Wenn wir in der Nähwerkstatt Serien zu produzieren haben, dann nähen wir auch nicht ein Stück nach dem anderen, sondern erledigen den immer gleichen Arbeitsschritt an allen Teilen. Mir der Routine kommt Schnelligkeit, so kann etwas schneller gefertigt werden.
 
 
 
 
Mein Häkel-Fazit: Für einen kurzen Wochenendtrip ins Tessin musste ich nicht vier Wollknäuel mitnehmen, eine Farbe hat gereicht. Das Häkelmuster blieb auch zu Hause, weil man sich den immer gleichen Arbeitsschritt spätestens ab dem dritten Mal merken kann.
Und die öde Fadenvernäherei erledigt man quasi im Nebenbei...
Aber gut, der Kissenbezug, den es eigentlich geben soll, ist immer noch nicht  fertig...

Allen ein tolles Wochenende!
Liebe Grüsse
Sandra

Sonntag, 9. September 2012

Jerseyteil aus Baumwolle nähen?

Mich hat von Martina eine Frage erreicht. In Bezug auf meine beiden Posts, die die Elastizität von Jersey behandeln ( Teil 1 und Teil 2 ) fragte sie:

Ich würde gerne ein Teil, das ich schon einige Male aus Jersey genäht habe, aus Baumwolle ohne Elastizität nähen. Kann ich den Schnitt nicht einfach rundum 0,5cm vergrössern? Wie kann ich die Elastizität ausgleichen?

Der Fall von Baumwolle ist ganz anders als bei Jersey, was die Optik ganz stark verändern kann. Aber den Versuch kann man natürlich wagen!
Zum Vorgehen wie Du das Schnittmuster anpassen kannst:
Nimm das Teil aus Jersey, das Du aus Baumwolle nähen willst. Wie bei der Maschenprobe beim Stricken musst Du nun ausrechnen, um wieviel das Schnittmuster vergrössert werden muss, um die fehlende Elastizität auszugleichen.
Bezeichne dazu im Bereich der Oberweite ein Stück von 10cm (quer, nicht längs!), in dem Du zwei Fäden einziehst. Mach das an Vorder- und Rückenteil. Nun ziehst Du das Oberteil an, und misst den Abstand zwischen den beiden Fäden aus. Um das Mass am Rückenteil zu ermitteln muss Dir kurz jemand zu Hand gehen. Notiere Dir die Masse.


Anhand von der Differenz von den ungedehnten 10cm zum Mass in gedehntem Zustand kannst Du nun ermitteln, um wieviel Du Dein Schnittmuster erweitern musst.
Beispiel:
Vorderteil ungedehnt 10cm
Vorderteil gedehnt  12.5cm
Differenz 2.5cm

Anhand dieser Zahlen kannst Du herauslesen, dass sich das Teil um einen Viertel des Masses erweitert.
Nun kannst Du dein Schnittmuster auf einen grossen Bogen Papier übertragen (damit Du das "Jersey-Muster" nicht zerschneiden musst). Messe nun am Vorderteil von der Mitte bis zur Seitennaht, direkt unter dem Armloch. Wenn Du da ein Mass von 24,5cm hast, muss es nun um einen Viertel, also 6.2cm (aufgerundet), weiter werden.
Dasselbe Verfahren machst Du auch mit den Massen vom Rückenteil. Zerschneide die Teile wie hier und schiebe die errechneten Masse ein.


Lass Dich von meinen Massangaben nicht irritieren!!! Die können nämlich total unterschiedlich sein! Wenn das Teil aus Jersey sehr eng sitzt, musst Du viel mehr einschieben als wenn das Teil locker sitzt.
Wenn Dein Teil Ärmel hat, musst Du ihn auch erweitern. Rechne dafür das Erweiterungsmass von Vorder- und Rückenteil zusammen und teile die Summe durch zwei.
Das Ergebnis schiebst Du ein. Wichtig ist auch, dass Du das Armloch vergrösserst.


So gerne ich würde, aber hier kann ich keine Angaben über die Masse machen. Um wieviel das Armloch vergrössert werden muss, hängt stark vom Aussehen des Teils ab. Schiebe aber auf jeden Fall 1cm bis 1,5cm rein, das muss sein. Am besten Du machst eine Anprobe, vergrössern kannst Du immer noch.

Was ich unbedingt erwähnt haben möchte: Dieses Verfahren eignet sich nur bedingt. Die Jerseys mit ihrer unterschiedlichen Elastizität lassen immer andere Ergebnisse errechnen. Es gibt nichts anderes, als auszuprobieren. Die obige Anleitung ist einfach nur ein roter Faden, wie sich das Ganze angehen lässt.
Wenn Du eine grosse Oberweite hast kann es ebenfalls sein, dass das Teil nicht gut sitzt, weil Du in der Baumwolle einen Abnäher benötigst. Am besten, Du nähst Dir das Teil aus einem billigen Probestoff und begutachtest das Ergebnis. Wie es funktioniert, einen Brustabnäher im Schnittmuster einzuzeichnen, zeige ich Dir nächstens. Übrigens: Einen sehr guten Post zum Thema grosse Oberweite gibt es bei Sewing Galaxy

Puh, etwas lang geworden...Aber ich hoffe, es ist verständlich!
Ganz liebe Grüsse
Sandra


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